Mikro-SF-Story von Milanovic, Raiko: Saddeid

Jeder kennt die Geschichte vom rasenden Stern der einen Berg schlug. Und ein Loch in den Monte Cristo machte.
Falsch, sagen die Alten. Kein Stern, sondern ein Saddeid. Gemacht von jemanden den sie Naasaa nennen. Sie zeigen nach oben und behaupten, dass da tausende Eisendinger kreisen.
Was haben wir gelacht! Eisen das fliegt.

Mikro-SF-Story von Jäkel, Christian Eckhard: Jobs

Nach dem Zusammenbruch lebten wir fast alle am Rande des Verhungerns. Immer morgens um neun wurden die wenigen frei gewordenen Jobs im Netz angeboten. Nur wer schnell genug klickte, hatte eine Chance – ein Onlinekampf aller gegen alle; nur der dramatische Sound fehlte.
Doch dann war auch das vorbei. Jemand hatte einen Bot programmiert, der schneller klickte als jeder Mensch. Damit kaperte er alle verfügbaren Jobs und versteigerte sie meistbietend.
Genial! Warum war nicht ich darauf gekommen?

Mikro-SF-Story von Jäkel, Christian Eckhard: Die letzte Botschaft

Laut Quantengravitationsmechanik sollte ein gefahrloses Eindringen in das Schwarze Loch möglich sein. Das für wenige Sekunden am Horizont stabilisierte Relais hatte tatsächlich noch ein letztes rätselhaftes Signal im Morsecode von der ELYSION übertragen, nachdem sie schon eingetaucht war:
fdlreuaog sti sd tdovn qrrog taou
Nun ließ die QGM Lösungen zu, in denen sich die Zeit hinter dem Horizont umkehrte, was auch immer das hieß. War dies womöglich der Schlüssel zur Botschaft?

Mikro-SF-Story von Eyben, Kathrin: UnEndlich

Man spürt nichts, haben sie gesagt. Aber trotz Spritze merke ich, dass mein Körper langsam auseinandergezogen wird. Alles ist langsam, wird langsamer, scheint zu stehen. Ich schaue aus dem Cockpit, nach rechts, in Richtung meines Heimatsterns, meiner Vergangenheit. Ich schaue nach links, sehe die Überreste des Magnetsegels, und ein schwarzes Nichts auf mich zukommen, meine Zukunft. Ich schaue nach vorne, und das letzte, was ich sehe, bin ich.

Mikro-SF-Story von Eyben, Kathrin: Botschaft an die Menschheit

Vierzig Jahre Forschung, vierzig Jahre Augenzeugenberichte und vierzig Jahre Kornfelder trotz Allergie. „Die Presse steht vor der Tür und möchte Sie interviewen.“
Ich reibe mir die Schläfen: „Sagen Sie denen, ich bin beschäftigt.“
„Verkriechen ist doch keine Lösung! Schließlich will die ganze Welt wissen, was uns die Aliens mit den Kornkreisen mitteilen wollen.“
Ich nippe an meinem Schnaps: „Dann sagen Sie denen, >A’rk von Gliese war hier und hat mich mitgenommen.<“

Mikro-SF-Story von Eyben, Kathrin: Heimkehr

„Willkommen zurück auf der Erde. Wir haben ein Match für Sie gefunden: Ihre Ur-Enkelin wartet in der Eingangshalle auf Sie.“
Ich betrachte das Hologramm, versuche mir das Gesicht der greisen Frau einzuprägen, und verabschiede mich von meinem Kollegen. Gerade, als ich mich von ihm abwende, um das Terminal zu verlassen, höre ich, wie der Android zu ihm sagt: „Willkommen zurück auf der Erde. Wir haben leider kein Match für Sie gefunden.“

Mikro-SF-Story von Dornemann, Volker: Aussteiger

Sam konnte sein Glück noch gar nicht fassen. Sein Traum, die Erde zu verlassen, wurde endlich wahr! Diesen zu einer einzigen Megacity verschmolzenen, von Konzernen beherrschten Planeten, auf dem ein Ort wie der andere war, austauschbar, ohne jeden individuellen Zug.
Sein Herz klopfte vor Freude und Erwartung, als das Schiff nach mehrwöchiger Reise endlich auf New Paradise landete.
Als Sam von Bord ging, begrüßte ihn im Raumhafen als erstes ein großes gelbes M.

Mikro-SF-Story von Dornemann, Volker: AC/Bb

In der Europäischen Südsternwarte knallten die Sektkorken, als man den Exoplaneten um Alpha Centauri B entdeckte. Die Euphorie schwand, als nachfolgende Untersuchungen Zweifel streuten. Und sie verpuffte völlig, als feststand, dass man sich wohl geirrt hatte.
Auf Alpha Centauri Bb knallten die Sektkorken. Beinahe zu spät hatten sie bemerkt, dass ihr Planet die Aufmerksamkeit von Aliens geweckt hatte. Ein Glück, dass diese sich mit den in letzter Sekunde getürkten Signalen täuschen ließen.